Read Psychiatrie.: Die verschleierte Macht. by Thomas S. Szasz Online

Title : Psychiatrie.: Die verschleierte Macht.
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ISBN : 3596263891
ISBN13 : 978-3596263899
Format Type : Audio Book
Language : Deutsch
Publisher : Fischer Taschenbuch Verlag 1978
Number of Pages : 463 Pages
File Size : 574 KB
Status : Available For Download
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Psychiatrie.: Die verschleierte Macht. Reviews

  • Gunthard Heller
    2019-05-29 23:04

    Szasz betrachtet die Zwangsunterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" (S. 97). Mit dem Weltbild der Psychiater, demzufolge alle Menschen außer den Psychiatern selbst als "geistesgestört" gelten, geht er hart ins Gericht (S. 12). Er hält die Geisteskrankheiten für einen Mythos zur Verzuckerung von sozialen Konflikten. Ethik werde dabei durch Diagnosen ersetzt, die den Patienten "erniedrigen, ihm seine Menschlichkeit […] rauben und ihn dadurch in ein Ding […] verwandeln" (S. 180).Er macht darauf aufmerksam, daß der Totalitarismus in den USA akzeptiert werde, wenn er im Gewand der Psychiatrie daherkomme. Im Gewand von Faschismus und Kommunismus werde er jedoch verworfen.Szasz lehnt es ab, den Interessen von Menschen (etwa nach einem Verbrechen straffrei auszugehen oder ein Kind abzutreiben) dadurch zu dienen, daß man sie für geisteskrank erklärt und damit etwas Verbotenes quasi erlaubt. Die meisten Angeklagten würden ohnehin lieber ins Gefängnis gehen als sich in eine Psychiatrie einweisen lassen, weil ein Gefängnisaufenthalt nicht so schlimm wie ein Psychiatrieaufenthalt sei. Im Gefängnis könne man einen Schulabschluß oder eine Berufsausbildung machen und ein Buch verfassen. In der Psychiatrie dürfe man das nicht. Im Gegensatz zu Sträflingen dürften unfreiwillige Psychiatriepatienten nicht einmal um ihre Rechte kämpfen (das alles bezieht sich wohl auf die USA im Jahr 1970).Szasz tritt für die vollständige Freigabe aller Drogen (also auch von Medikamenten!) ein. Er begründet das damit, daß- die Beschaffungskriminalität fortfalle;- die Grenzziehung zwischen erlaubten und verbotenen Drogen willkürlich sei;- die Selbstzerstörung in den Bereich menschlicher Freiheit falle;- die Drogenqualität bei vollständiger Freigabe besser sei;- es Menschen gebe, die trotz Drogeneinnahme leistungsfähig seien;- es keinen Grund gebe, dem Menschen die Verantwortung für seinen Körper abzusprechen;- die Drogenfreigabe fiskalische Vorteile biete;- der Kampf gegen die Sucht teuer, aber wirkungslos sei;- es vieles gebe, was gefährlicher sei als Drogen (z.B. Dynamit oder Waffen), aber erlaubt sei;- die Verfassung der USA das Glücksstreben garantiere;- Drogen zum Sündenbock für andere Probleme gemacht würden;- die Jagd auf Drogensüchtige an die Verfolgung von Hexen und Juden erinnere.Szasz tritt für das "Recht auf Selbstmedikation" allerdings nur mit der Einschränkung ein, daß andere dadurch keinen Schaden erleiden (S. 138). Sich in der Öffentlichkeit zu berauschen, würde er ganz verbieten. Ebenso würde er Minderjährige von der Drogenfreigabe ausschließen und die Verführung zur Drogeneinnahme durch Erwachsene unter Strafe stellen.Ich gestehe, daß sich mein Gefühl gegen manche Argumente sträubt, daß ich aber argumentativ nur wenig entgegensetzen kann. Mir fällt nur ein, daß im Gegensatz zu Medikamenten und anderen Rauschgiften Alkohol und Tabak nicht so heimtückisch sind: Alkohol schmeckt erst einmal nicht, die erste Zigarette weckt gewöhnlich einen Hustenreiz.