Read Exil unter Palmen: Deutsche Emigranten in Sanary-sur-Mer by Magali Nieradka-Steiner Online

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Ein Fischerdorf bei Toulon war einst die Hauptstadt der deutschen Literatur So jedenfalls sah es Ludwig Marcuse Nach Hitlers Machtergreifung flohen zahlreiche deutsche Literaten an die C te d Azur In Sanary sur Mer trafen sich Ernst Toller und Bert Brecht am Hafen, hier besa Lion Feuchtwanger ein Haus am Meer Thomas Mann mit Frau besuchte die Kirmes, w hrend Sohn Klaus am Mephisto schrieb Doch das Exil unter Palmen wurde bald zur Mausefalle Bei Kriegsbeginn erkl rte Frankreich die Deutschen zu feindlichen Ausl ndern Wer nicht rechtzeitig nach bersee emigrieren konnte, wurde interniert, deportiert und ermordet Magali Nieradka Steiner hat lange an der Cote d Azur gelebt Sie konnte bisher nicht bekannte Dokumente nutzen und mit den letzten Zeitzeugen sprechen Ihr Buch erz hlt eindringlich, wie sich universale Katastrophe und individuelles Schicksal in Sanary kreuzen....

Title : Exil unter Palmen: Deutsche Emigranten in Sanary-sur-Mer
Author :
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ISBN : 3806236569
ISBN13 : 978-3806236569
Format Type : Hardback
Language : Deutsch
Publisher : wbg Theiss in Wissenschaftliche Buchgesellschaft WBG 11 Juni 2018
Number of Pages : 503 Pages
File Size : 671 KB
Status : Available For Download
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Exil unter Palmen: Deutsche Emigranten in Sanary-sur-Mer Reviews

  • Sikal
    2018-10-26 04:57

    Während wir heute die Côte d’Azur mit Urlaub in Verbindung bringen, hatten die Reisenden Anfang des 20. Jahrhunderts zumeist andere Beweggründe. Einerseits wollten sie natürlich die Sonne genießen, hatten zum Teil gesundheitliche Probleme, ein Aufenthalt in wärmeren Gebieten wurde zur Therapie. Doch rasch entwickelte sich der „letzte Zipfel Europas“ zu einem Zufluchtsort, vereinte gestrandete Weltenbummler, Maler, Schriftsteller u.a. Der kleine Ort Sanary-sur-Mer wurde zum Rettungsanker bekannter Namen, wie Franz Werfel, die Familie Mann, Marta und Lion Feuchtwanger, Stefan Zweig, die Huxleys und vieler anderer.Spätestens seit Hitlers Machtübernahme und dem darauf folgenden Umbruch wurden diese Menschen nicht mehr als Künstler gehandelt, sondern wurden zu Staatsfeinden degradiert, Bücherverbrennungen, Vertreibungen, Konfiszieren des Vermögens – es wurde mit harten Bandagen gekämpft. Durch verschiedene Kontakte und Vernetzungen konnten sie zum Glück den Nazis entkommen und sich ihr „Exil unter Palmen“ aufbauen. Niemand wusste wie lange sie sich diese Auszeit nehmen mussten.Die Autorin Magali Nieradka-Steiner ist akademische Mitarbeiterin an der Universität Heidelberg und Lehrbeauftragte an der Uni Mannheim. Sie beschäftigt sich mit Themen wie Exilforschung und Migration, kann hier auf ein enormes Wissen bauen. Sie versucht dieser Vielzahl an Namen Struktur zu geben, zeigt Verbindungen zwischen den Menschen auf, beschreibt die einzelnen Domizile der Vertriebenen.Die Deutschen und Österreicher waren zunächst willkommen in Frankreich (zumindest bis Deutschland den Franzosen den Krieg erklärte), sie blieben unter sich und wurden von den Einwohnern des Ortes toleriert. Doch letztendlich wurden auch hier die Menschen vom System eingeholt und in diverse Internierungslager gebracht. Nur mit großer Hartnäckigkeit oder viel Glück konnten sie ihrem Schicksal entkommen. Z.B. konnte Lion Feuchtwanger mit Unterstützung von Miles Standish flüchten, indem Feuchtwanger mit Mantel und Kopftuch verkleidet als Standishs Schwiegermutter fungierte. Viele solcher Geschichten und Anekdoten finden sich in diesem Buch und machen dieses lesenswert.Es dauerte einige Zeit, bis sich Sanary-sur-Mer seiner Vergangenheit stellte. Heute gibt es eine Gedenktafel, die an die vielen Menschen erinnert, die hier Zuflucht suchten und letztendlich doch auch diesen Rettungsanker aufgeben mussten. Über sechzig Namen finden sich auf dieser Erinnerungstafel – Menschen, die Angst und Terror hinter sich lassen konnten und nach Amerika emigrierten und Menschen, die den Ort nur als Zwischenstation nutzten, um den Krieg zu überstehen und danach wieder in ihre Heimat zurückkehrten. Zumindest werden diese Menschen nicht vergessen, wird ihr Andenken hochgehalten, seit Jahren werden verschiedenste Ausstellungen oder auch Tagungen organisiert, die das Exil ins Bewusstsein bringen.Ein interessantes Buch über Einzelschicksale prominenter Schriftsteller und deren Zufluchtsort am Mittelmeer. Gerne vergebe ich vier Sterne.